…für ein Leben mit Musik
Warum Unterricht an der Musikschule des Landkreises Hof?
Warum Unterricht an der Musikschule des Landkreises Hof?
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Musik komponierender Frauen in Tauperlitz

Kultur hat bekanntlich viele verschiedene Facetten. Diese können gut als Etiketten für Themen dienen. Dem trägt der Kulturverein Tauperlitz e. V. In Zusammenarbeit mit der Musikschule des Landkreises Hof Rechnung mit seiner Reihe „Musik bei Wein und Kerzenschein“. Thema war dieses Mal die Musik komponierender Frauen durch mehrere Jahrhunderte hindurch. Im heimeligen Ambiente des Kaminzimmers im Stumpfhof zu Tauperlitz hörten und genossen interessierte Zuhörer, was Lehrkräfte der Musikschule zusammengetragen hatten: Zene Kruzikaite (Alt) mit ihrem Gesangspartner Wladimir Polatynski (Bass), Beate Krause (Querflöte), Eva Gräbner (Klavierbegleitung) und Larissa Rattassepp (Klavier) zeigten an vielen Beispielen, wie ambitioniert und intensiv Künstlerinnen ihre Empfindungen und die Formbeherrschung teilweise gegen den Widerstand der dominanten Männerwelt entwickelten

Wein und KerzenscheinCamera

Die Organisatorin des Abends, Gudrun Spatschek, ließ Zuhörer Einblick nehmen in die einzelnen Biografien. Am ehesten gelang musikalischer Erfolg noch – oder schon – im Italien des Barock, wo Schulen für Waisen und auch Töchter aus gutem Hause eine fundierte Ausbildung genossen.Als Vertreterin dieser Zunft lernte das Publikum Anna Bon di Venezia kennen; von ihr spielten Beate Krause und Larissa Rattassepp eine Sonate für Querflöte und Klavier.

Anders erging es talentierten deutschen Frauen, die aus Musikerfamilien stammten, etwa Felix Mendelssohns Schwester Fanny  Hensel oder Louise Reichardt. Louise  musste sich aus der Familienumgebung hoch kämpfen, Fanny gegen den Widerstand von Vater und Bruder. Ein gefühlvolles Andante, empfindungsvoll von Larissa Rattassepp interpretiert, zeugte von ihrer Begabung. Loiuse Reichardt auch als Sängerin tätig, stammten mehrere Lieder – „Maria“, „Unruhiger Schlaf“, „Der Mond“, und „Der Spinnerin Nachtlied“. Besonders bei Letzterem ließ zene Kruzikaite mit tief empfundenen, aber immer kontrolliert warmem Alt erkennen, wie Komponistinnen mitfühlend das Lied einer verlassenen Liebenden in Töne setzte. Ein eindrucksvoller Kontrast hierzu Wladimir Polatynski mit dem „Bergmannslied“ in kräftigem, ausdrucksstarkem Bass.

Eine historische und biografische Sonderstellung nimmt Wilhelmine von Bayreuth ein, die Schwester des ebenfalls Musikliebenden Preußenkönigs Friedrich II. Von ihr ein stimmungsvolles „Affetuoso“.

Alle Köstlichkeiten des reichhaltigen Programms aufzuzählen  sprengte den Rahmen eines Berichts. Doch auch die moderneren Vertreterinnen der Komponistenzunft fanden darin Platz, wie Magdalena

Nazarowa, Agnieszka Osiecka oder Mel Bonis. Zene Kruzikaite bot zum Abschluss eine musikalische Rarität:“ Raudos I und II“ (Totenklage in original littauischer Sprache).

Für eine der Facetten hatte der Abend viele Lichtpunkte.