…für ein Leben mit Musik
Warum Unterricht an der Musikschule des Landkreises Hof?
Warum Unterricht an der Musikschule des Landkreises Hof?
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Spanischer Abend in Tauperlitz

Im Stumpfhof auf Einladung des Kulturvereins Tauperlitz und Musikschule des Landkreises Hof bei Wein und Kerzenschein einzukehren ist schon seit einiger Zeit im Oktober ein Geheimtipp unter Eingeweihten. Da wartet jeweils ein Themenabend auf den Besucher, bei dem Musikprogramm, verbindende Texte und Bewirtung sorgfältig aufeinander abgestimmt sind.

Wladimir Polatynski und Zene KruzikaiteIm Rahmen der interkulturellen Woche wurden heuer die Gäste nach Spanien entführt; Reisebegleitung waren Lehrkräfte der Musikschule des Landkreises Hof und Sänger aus dem Ensemble des Theaters Hof: Jens Gottlöber, Gitarre, Eva Gräbner, Klavier, Zene Kruzikaite, Alt, und Wladimir Polatynski, Bass; die Moderation besorgte Gudrun Spatschek.

Spanien, typisch und doch vielfältig, war in dem bunten Programm abgebildet: Schon im ersten Beitrag, einer Kurzmotette „Ecce Homo“ aus anonymer Feder im späten 17. Jahrhundert, zeigte sich ziselierter Formenreichtum im Stil des Manierismo, dessen reiche Koloraturen Zene Kruzikaite in immer warmem Ton mitfühlend und doch brillierend darbot. Jens Gottlöber führte mit der Sonatine A-Dur von Frederico Moreno Torroba eindrucksvoll vor, warum die Gitarre das eigentliche Nationalinstrument Spaniens ist. Der erste Satz, ein Allegretto, ließ das Publikum einem Zwiegespräch lauschen, das sowohl der Künstler mit seinem Instrument als auch die einzelnen Themen der Musik  hielten. Bei einem muntern Parlando trat die Mehrstimmigkeit auch in lyrischer Reflexion klar hervor, gefolgt von dem eingängig-sanglichen Andante, um dann im Allegro des dritten Satzes mit einer virtuosen Bearbeitung volksliedhafter Elemente die Dramatik konkurrierender Stimmungen aufleben zu lassen. Bei den darauf folgenden drei Liedern von Manuel de Falla konnte Zene Kruzikaite erneut die weite Ausdruckspalette von Stimme und Vortrag unter Beweis stellen. „Asturiana“ kam elegisch-melancholisch daher, in „Cancion“ dominierte großer Affekt, und in dem Wiegenlied „Nana“ war ihr Alt wieder weich und einfühlsam.

Das Flehen „Besa me mucho“ (Küsse mich heftig), stammt zwar aus der Feder einer Frau, der Mexikanerin Consuelo Velasquez, es kam aber aus dem Mund von Wladimir Polatynski, der es schaffte, die schmachtende Eindringlichkeit formvollendet, mit sicherer, voller Stimme zu vermitteln. Voluminöser Ton wechselte ab mit dunklem Bass-Parlando, das auch im Sotto Voce immer weich und groß klang. Die gleiche Grandezza zeigte der Künstler in „Noche de Ronda“ von Maria Teresa Lara.

Jens Gottlöber fiel dann die nicht ganz leichte Aufgabe zu, die Zuhörer mit fein ziseliertem Gitarrenspiel in seinen Bann zu ziehen, der wohl auch von dem Thema „Recuerdos de la Alhambra“ von Francisco Tarrega ausgeht. Die feingliedrige formenreiche Kunst dieses maurischen Prachtbaus bildete sich ab in einer tremolierender Melodie, die über klarer, fester, aber unaufdringlicher Begleitung zu schweben schien. Ein weiteres Beispiel für die ausgereifte Technik des Gitarristen war in „Testament d’Amelie“ von Miguel Llobet zu hören, wo verhauchendes Flageolett mit dunkler, trauriger Melodie abwechselnd Abschied und Hoffnung, wohl auch Resignation, aber nicht Verzweiflung signalisierte. „Cancion de Lladre“, Lied eines Diebes, ließ weitere Facetten im Ausdruck aufscheinen, getragen von verstohlener Heimlichkeit.

Die Vorsitzende des Kulturvereins Tauperlitz, Gudrun Spatschek, hatte in ihren verbindenden Worten und erläuternden Texten bereits darauf hingewiesen, dass in Spanien und Mexiko verwandte Kulturen wirken. Das zeigte sich ein weiteres Mal beim Vortrag des Sängers Polatynski, der mit südländischem Feuer von Lorenzo Barcelata die Huldigung an „Maria Elena“ aufleben ließ. Einen stimmgewaltigen Höhepunkt setzte der Bass mit Augustin Laras „Granada“, womit der maurisch-spanischen Metropole gehuldigt wird. Eva Gräbner, die Pianistin des Abends, bislang unaufdringlich, technisch versiert und immer präsent in der Begleitung, hatte hierbei die Gelegenheit, ein ebenbürtiges Tastenfeuerwerk abbrennen zu lassen.

Die schon erwähnte Moderation durch Gudrun Spatschek half im Folgenden sehr bei Verständnis und Würdigung von drei Liedern Frederico Garcia Lorcas: „Los cuadro Muleros“, eine volksliedhaft-balladenartige Erzählung, „Las Marillas de Caen“, wo drei unterschiedliche Frauen besungen werden, und „Sevillanas de Siglo“, ein Lobpreis Sevillas, feurig und mit Leidenschaft von Zene Kruzikaite interpretiert.

Bei seinem letzten Auftritt in dem farben- und nuancenreichen Programm, das nun bald zu Ende ging, verzauberte Gottlöber erneut die gebannten Zuhörer mit „Asturias“ von Isaak Albinez, diesmal mehr ausmalend-charakterisierende Huldigung an eine für Spanien typische Landschaft. Polyphon gebrochene Akkorde signalisierten aufgeregte Stimmung, die dann wieder in zurückhaltend-reflektierenden Ausdruck überging. Wie in seinen vorausgegangenen Beiträgen war der Gitarrist mit seinem Instrument zu einer Einheit verschmolzen.

An der Moderatorin lag es dann, die Verbindung und Überleitung zu finden von den fein differenzierten Saitenweisen zu der leidenschaftlichen Liebeslyrik, die ja auch in unser Bild von Spanien gehört. „Perdon“, Vergebung, von Pedro Flores vereinigte Kruzikaite und Polatynski zu einem Liebesduett, in dessen Verlauf das Nebeneinander von Anbetung der Geliebten und deren anfänglich distanzierter Haltung allmählich zu einem leidenschaftlichen Miteinander verschmilzt. Zur gesanglichen Interpretation geselle sich da die Ausdeutung durch Mimik und Gestik.

Die Gäste, die im Laufe des Abends nicht nur von Musik verwöhnt wurden, sondern auch durch zum Kolorit passende Küche, erklatschten sich als Zugabe „Eviva Espana“, einen Gassenhauer, den Polatynski gewitzt und mit einer für den Allroundkünstler kennzeichnenden Selbstverständlichkeit schmetterte; das Auditorium sang mit.

Wladimir Polatynski, Zene Kruzikaite, Eva Gräber, Jens Gottlöber und Moderatorin Gudrun Spatschek (von links)